Heute hatten wir eigentlich einiges vor. Genau deshalb verlief der Start in den Tag erstaunlich gemächlich. Beim Frühstück bummelten wir herum wie die Weltmeister und schafften es mit beeindruckender Konsequenz, jede Form von Zeitdruck zu vermeiden.
Aber nun ja – genau dafür ist Urlaub schließlich da. 😄
Während andere Menschen auf die Uhr schauen und Termine einhalten müssen, diskutierten wir lieber bei Kaffee und Frühstück darüber, ob man wirklich schon losfahren sollte oder ob noch eine weitere Tasse Kaffee sinnvoll wäre. Die Antwort lautete natürlich: ja.
Irgendwann hatten wir dann doch alles beisammen und machten uns kurz nach 11 Uhr auf den Weg. Das heutige Ziel lautete Blokhus an der Jammerbucht. 🌊
Die Strecke betrug rund 135 Kilometer. In Deutschland würde das möglicherweise eine kleine Reiseplanung, mehrere Verkehrsmeldungen und etwas Geduld erfordern. In Dänemark bedeutet es vor allem eins: entspanntes Fahren.
Also rollten wir gemütlich durch die Landschaft, vorbei an Feldern, kleinen Orten und jeder Menge Himmel. Die Dänen haben offenbar beschlossen, ihre Straßen genauso gelassen anzulegen wie ihren Lebensstil.
Beste Voraussetzungen also für einen gelungenen Ausflugstag. 😎
Natürlich dürfte inzwischen niemanden mehr überraschen, dass die Fahrt nicht ganz so verlief wie ursprünglich geplant. Wer unsere Urlaubstagebücher kennt, weiß schließlich, dass zwischen Start und Ziel grundsätzlich noch Platz für mindestens einen spontanen Zwischenstopp ist. 😄
So auch heute.
In Østerild mussten wir kurzerhand einen ungeplanten Halt einlegen. Der Grund war denkbar einfach: Es gab neue Windräder zu sehen. 🌬️⚡
Für viele Menschen mag das vielleicht nicht nach einer Sehenswürdigkeit klingen. Wir hingegen finden es immer wieder spannend, dort vorbeizuschauen. Schließlich stehen in Østerild einige der größten und modernsten Testwindräder der Welt, und irgendwie gibt es fast immer etwas Neues zu entdecken.
Außerdem hat so ein Zwischenstopp einen unschlagbaren Vorteil: Man kann sich die Beine vertreten, ein paar Fotos machen und hat anschließend wieder ein weiteres Thema für das Urlaubstagebuch. 📸😄
Kurz gesagt: Der kleine Umweg hat sich gelohnt. Und wer einmal in der Gegend ist, sollte ruhig einen Blick riskieren. Selbst wenn man sich eigentlich vorgenommen hatte, direkt weiterzufahren. Genau so beginnen schließlich die meisten ungeplanten Ausflüge.
Nun ging es aber wirklich auf direktem Weg weiter Richtung Blokhus. Also zumindest so direkt, wie man eben fährt, wenn man bewusst die kleinen Nebenstraßen bevorzugt. 🚗😄
Kilometer um Kilometer zogen vorbei, und wie so oft in Nordjütland gab es reichlich Landschaft zu bestaunen. Wälder, Seen, Dünen und unsere inzwischen liebgewonnene „dänische Mondlandschaft“ wechselten sich in beliebiger Reihenfolge ab. 🌲🌊🌾
Je näher wir unserem Ziel kamen, desto größer wurden allerdings auch die Urlaubsorte. Und damit – zumindest für uns – ein kleines Stück weniger attraktiv. Wir mögen es eben lieber etwas ruhiger, etwas kleiner und mit mehr Möwen als Menschen. Aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Jeder Urlauber sucht sein eigenes kleines Paradies. 😊
Als wir schließlich in Blokhus ankamen, meldete sich bereits der kleine Hunger. Doch bevor wir uns diesem Problem widmen konnten, musste zunächst das Thema Parkplatz gelöst werden.
Das stellte sich überraschend einfach dar.
Die Stadt war nämlich rappelvoll. Es fand gerade ein Oldtimer-Treffen statt, und gefühlt hatte jeder Besitzer eines Fahrzeugs mit Baujahr vor dem Mauerfall beschlossen, heute nach Blokhus zu fahren. 🚗🚙🚘
Zum Glück gehört Strandparken hier zum ganz normalen Tagesgeschäft. Während man in Deutschland vermutlich bereits drei Behörden, zwei Schranken und ein Parkleitsystem benötigen würde, fährt man in Blokhus einfach auf den Strand und stellt sein Auto ab.
Irgendwie typisch Dänemark. Und irgendwie ziemlich praktisch. 🌊😄
Also, Parkplatz gefunden – Problem Nummer eins gelöst. Was blieb, war der Hunger. Und der ließ sich nicht so einfach auf später verschieben. 🌭😄
Wir schlenderten also Richtung „Stadtmitte“ und begaben uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Direkt am Strandeingang befand sich zwar ein Imbiss, doch aus Gründen, die heute niemand mehr nachvollziehen kann, ließen wir ihn rechts liegen und setzten unseren Weg fort.
Unser Ziel war zunächst der Spar-Markt. Dort wurden wir allerdings etwas enttäuscht. Vielleicht lag es an der bereits fortgeschrittenen Mittagszeit, vielleicht hatten wir einfach Pech, aber das Angebot entsprach nicht ganz unseren Vorstellungen.
Eigentlich hatten wir nämlich nur einen einfachen Wunsch: einen Hotdog. 🌭
Nun sollte man meinen, dass die Beschaffung eines Hotdogs in Dänemark ungefähr so schwierig ist wie die Suche nach Sand am Strand. Doch entweder stellten wir uns außergewöhnlich geschickt an oder es gibt tatsächlich Bereiche in Blokhus, in denen man keinen Hotdog bekommt. Zumindest fanden wir dort, wo wir unterwegs waren, keinen einzigen Stand.
Je länger die Suche dauerte, desto größer wurde das Rätsel.
Am Ende landeten wir schließlich in einer kleinen Bäckerei. Dort gab es für jeden ein Brötchen und eine kleine Zimtschnecke. Nicht das, wonach wir ursprünglich gesucht hatten, aber durchaus geeignet, den aufkommenden Hunger in seine Schranken zu weisen. 🥐☕😋
Manchmal gewinnt man im Urlaub eben nicht den großen Hotdog-Jackpot. Aber eine frische Zimtschnecke ist ein ziemlich akzeptabler Trostpreis.
Manche davon würden wir vermutlich sofort nehmen – vorausgesetzt, jemand anderes übernimmt die Finanzierung.
Trotzdem stellten wir recht schnell wieder fest, dass die Gegend auf Dauer nichts für uns wäre. Für einen Tagesausflug ist Blokhus absolut in Ordnung, vielleicht auch für ein verlängertes Wochenende. Aber drei Wochen Urlaub? Eher nicht.
Es war uns einfach etwas zu belebt. Überall war etwas los, viele Menschen waren unterwegs und die Atmosphäre erinnerte eher an einen klassischen Ferienort als an die ruhigen Ecken, die wir normalerweise bevorzugen. Aber genau das macht ja den Reiz verschiedener Urlaubsorte aus – jeder findet das, was ihm gefällt. 😊
Auf dem Weg zurück entdeckten wir am Kiosk noch eine Übersichtstafel der Umgebung. Darauf war unter anderem eine Lorenbahn eingezeichnet.
Nun gibt es Dinge, an denen man einfach nicht vorbeikommt.
Kaum hatten wir die kleine Bahn entdeckt, stand auch schon fest, wie wir den Heimweg gestalten würden. Das ursprüngliche Ziel des Tages war damit offiziell beendet. Ab sofort lautete die Mission:
„Wir fahren Bahn schauen.“ 🚂😄
Die Lorenbahn befand sich bei Moseby, und selbstverständlich mussten wir herausfinden, was es damit auf sich hat. Schließlich wäre es geradezu fahrlässig gewesen, einfach daran vorbeizufahren.
Also wurde die Route angepasst und der Heimweg erhielt einen zusätzlichen Programmpunkt. Wie so oft entstanden die interessantesten Urlaubserlebnisse völlig ungeplant. 📸🚗
In Moseby angekommen, erwartete uns dann allerdings eine kleine Überraschung. Die war sogar so groß, dass wir völlig vergaßen, Fotos zu machen. 📸😄
Wobei das im Nachhinein nicht weiter tragisch ist. Das gute Stück, das dort stand, hatte seine besten Tage nämlich schon vor sehr langer Zeit hinter sich gelassen. Die Lorenbahn präsentierte sich in einem Zustand, den man wohlwollend als „historisch“ bezeichnen könnte. Andere würden vermutlich einfach „ziemlich verrostet“ sagen.
Als Fotomotiv hätte sie jedenfalls keine großen Karrierechancen gehabt.
Interessant war die Geschichte dahinter allerdings allemal. Früher wurde mit dieser Bahn Torf transportiert, der anschließend zu Torfbriketts verarbeitet wurde. Wieder so ein kleines Stück Regionalgeschichte, über das man ohne einen spontanen Umweg vermutlich nie gestolpert wäre. 🚂🌾
Am Ende war die Lorenbahn also vielleicht kein optisches Highlight, aber sie erfüllte ihren Zweck: Wir haben etwas Neues gesehen, etwas gelernt und hatten unterwegs wieder eine gute Geschichte für das Urlaubstagebuch.
Und dafür lohnt sich so ein Abstecher manchmal mehr als für das perfekte Foto. 😄
Wir erkundeten also weiter die kleinen Seitenstraßen und wurden schon bald erneut fündig. Ein Wegweiser kündigte „Fosdalen“ an – offenbar irgendetwas Sehenswertes. Mehr Informationen brauchten wir eigentlich nicht. 😄
Der Tag war schließlich noch jung, also wurde der Blinker gesetzt und mit der nötigen Portion Entdeckergeist nach rechts abgebogen.
Die Euphorie hielt allerdings nur wenige hundert Meter. Dann standen wir im Stau.
Mitten auf einer kleinen Landstraße. Mehrere Fahrzeuge – mit uns immerhin vier Stück – standen hintereinander, während die Warnblinkanlagen fröhlich vor sich hin blinkten. 🚗🚗🚗🚗
Die Frage lag natürlich auf der Hand: Was war passiert?
Die Antwort war erfreulich unspektakulär.
Der örtliche Landwirt trieb lediglich seine Kühe von der Weide zum Stall. 🐄
Allerdings waren einige der Damen offenbar der Meinung, dass der direkte Weg völlig überbewertet wird. Statt zielstrebig voranzuschreiten, wurden einzelne Streckenabschnitte mehrfach begutachtet, Richtungsentscheidungen überdacht und gelegentlich auch wieder rückgängig gemacht.
Dadurch zog sich die Aktion ein klein wenig in die Länge.
Wir saßen also mitten im dänischen Berufsverkehr und warteten geduldig, bis die Kühe ihre organisatorischen Fragen geklärt hatten. 🐄😄
Immerhin kann nicht jeder von sich behaupten, auf dem Weg zu einer Sehenswürdigkeit in einen Kuhstau geraten zu sein. Urlaub schreibt eben die schönsten Geschichten.
Fosdalen gehört zu den schönsten Naturgebieten Nordjütlands und liegt zwischen Tranum und Fjerritslev an der Jammerbucht. Das Tal ist rund 3 km lang und wirkt stellenweise eher wie eine kleine Schlucht oder ein urwaldartiges Tal als wie die typische dänische Landschaft.
Besonders beeindruckend sind:
- Steile Hänge und tief eingeschnittene Täler
- Quellen und kleine Wasserläufe
- Dichte Buchenwälder mit teils verwunschen wirkenden Bäumen
- Weite Ausblicke über die Jammerbucht vom Höhenzug „Lien“
Der bekannteste Wanderweg ist die Tranum–Fosdal-Route. Sie ist 11 km lang, als Premiumwanderweg ausgezeichnet und führt über den höchsten Punkt der Jammerbucht, den Bavnehøj (83,4 m), durch Fosdalen und entlang der Küstenkante mit tollen Meerblicken. Die Route kann auf 2,7 km, 6 km oder 7 km verkürzt werden.
Interessant ist auch die Geschichte:
Im Tal gibt es die Quelle Vor Frue Kilde („Unsere-Liebe-Frau-Quelle“), der früher heilende Kräfte nachgesagt wurden.
In der Umgebung finden sich alte Feldsysteme aus der Eisenzeit und zahlreiche Grabhügel.
Quelle: ChatGPT
Fosdalen entpuppte sich schließlich als kleines, aber ausgesprochen schönes Tal. 🌿
Kein Ort, der mit großen Attraktionen oder spektakulären Bauwerken auf sich aufmerksam macht, sondern vielmehr einer dieser Plätze, die gerade durch ihre Natürlichkeit beeindrucken. Wer in der Gegend unterwegs ist, sollte dort auf jeden Fall einmal vorbeischauen.
Für uns war damit das Tagesprogramm allerdings weitgehend erfüllt. Wir hatten inzwischen einiges gesehen, mehrere spontane Abstecher eingelegt und ausreichend neue Eindrücke gesammelt.
Hinzu kam, dass unser opulentes Mittagessen – bestehend aus einem Brötchen und einer Zimtschnecke – langsam seine Wirkung verlor. 😄
Mit anderen Worten: Uns hungerte.
Und wenn man sich schon in dieser Gegend befindet, liegt die Lösung eigentlich auf der Hand.
Also machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Hanstholm zur Gamle Røgeri. 🐟
Schließlich sollte man einen Urlaubstag nicht hungrig beenden, und gute Entscheidungen werden bekanntlich deutlich leichter getroffen, wenn vorher etwas Vernünftiges auf dem Teller gelandet ist.
Danach ging es über Vorupør zurück nach Agger. Ganz ohne Zwischenstopp kamen wir allerdings auch diesmal nicht davon. Wir benötigten nämlich noch etwas „Stoff“. 😄
Genauer gesagt musste eine Flasche Aperol noch den Besitzer wechseln. 🍹
Dieses edle Getränk gehört inzwischen zur Grundausstattung eines gelungenen Wildnisbad-Abends und sollte daher keinesfalls ausgehen. Manche Menschen kontrollieren vor dem Urlaub den Reifendruck, wir achten auf den Aperol-Bestand.
Die Mission verlief erfolgreich, die Vorräte wurden aufgefüllt und damit war auch das Abendprogramm gesichert.
Zurück im Ferienhaus ließen wir den Tag schließlich genau so ausklingen, wie es sich inzwischen bewährt hat: mit einem Besuch im angenehm warmen Wildnisbad. 🛁
Während draußen langsam der Abend hereinbrach, konnten wir noch einmal die vielen Eindrücke des Tages Revue passieren lassen. Von Windrädern über Blokhus, einer verrosteten Lorenbahn und einem ungeplanten Kuhstau bis hin zum idyllischen Fosdalen war heute alles dabei.
Ein schöner Urlaubstag mit einem noch schöneren Ende.
Mehr braucht es manchmal gar nicht. 😊🍹🌅
Reisewetter
- Agger
- 14/06/2026
- 13-16 C°
- Sonnig
- 20 - 30 km/h
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